Ökostromanbieter und ihre Marken. Wer gehört zu wem?

Ökostromanbieter ist nicht gleich Ökostromanbieter.

Der Ökostrommarkt ist heiß umkämpft. Knapp 80% der Stromanbieter hatten 2017 mindestens ein Ökostromprodukt im Angebot. Bei insgesamt 1.157 Ökostromtarifen kann die Auswahl schwierig sein, zumal „Ökostrom“, „Grünstrom“ und „Naturstrom“ keine geschützten Begriffe sind [wie z. B. Bio]. Gemeint ist zwar bei allen Angeboten, dass der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt [Wind, Sonne, Wasser, Biomasse], doch eine missbräuchliche Verwendung der Begriffe ist nicht selten. Um zu erkennen, ob ein Ökostromanbieter wirklich 100% sauberen Strom liefert oder nur geschicktes Marketing betreibt, gibt es einige Kriterien und Label.

Reine Ökostromanbieter

Reine Ökostromanbieter haben ausschließlich grünen Strom im Angebot, der aus 100% erneuerbaren Quellen stammt. Sie sind unabhängig von großen Energiekonzernen und fördern aktiv den Ausbau erneuerbarer Energien – entweder durch den Bau eigener Ökostromanlagen oder durch Investitionen in den Bau größerer Projekte. Reine Ökostromanbieter bieten transparente Informationen über Herkunft des Stroms. Durch diese Herkunftsnachweise ist jede Kilowattstunde Ökostrom gut dokumentiert. Zudem sorgen Zertifikate und Öko-Siegel für Transparenz bei den Ökostromtarifen. Vom Bundesumweltamt werden das ok-Power-Label und Grüner-Strom-Label empfohlenen. Die Label vom TÜV Süd und „Geprüfter Ökostrom“ vom TÜV Nord sind ebenfalls anerkannte Gütesiegel – mit weniger strengen Standards.

Ökostromanbieter und Ökostrom-Marken

ZugehörigkeitÖkostromanbieter | ÖkostrommarkeZertifikat | LabelWer steckt dahinter?
ÖkostromanbieterBayWa Ökoenergie GmbHOK-Power PLUS100% zu BayWa r.e. renewable energy GmbH
ÖkostromanbieterBürgerwerke eGGrüner Strom70 Bürgerenergiegenossenschaften im bundesweiten Netzwerk
ÖkostromanbieterENTEGA Energie GmbHOK-PowerENTEGA AG
ÖkostromanbieterEWS Elektrizitätswerke Schönau [EWS]OK-PowerEWS Elektrizitätswerke Schönau eG
ÖkostromanbieterGreenpeace Energy eGOK-Power PLUSGreenpeace Energy eG
ÖkostromanbieterKlimaschutz+ EnergiegenossenschaftOK-PowerKooperation u.a. Elektrizitätswerke Schönau (EWS)
ÖkostromanbieterLichtBlick SEOK-PowerGekauft vom niederländischen Energieversorger Eneco
ÖkostromanbieterMANN StromGrüner StromMANN Naturenergie GmbH, Im Besitz von Markus Mann
ÖkostromanbieterNATURSTROM AGGrüner StromDie NATURSTROM AG wird von Kleinaktionären getragen
ÖkostromanbieterPolarstern EnergieGrüner StromPolarstern GmbH ist zu 100% im Besitz der Gründer
ÖkostromanbieterPROKON Regenerative Energien eGOK-Power PLUSPROKON Regenerative Energien eG
ÖkostromanbieterSimply GreenOK-PowerMarke der ENTEGA Energie GmbH

Die anderen Ökostromanbieter

Konzerne mit Strommix [Atom-, Kohle- und Ökostrom]

Es gibt noch die Ökostromanbieter mit Strommix, denn auch Konzerne und Discounter gehen auf Kundenfang im Ökostromsegment. Das ist nicht selten eine Mogelpackung. Die beiden Gründe „Greenwashing über Zertifikate“ und „absichtliche Verbrauchertäuschung durch Stromkennzeichnung“ erklären wir weiter unten.

Die 4 großen deutschen Energiekonzerne EnBW, RWE, E.ON und Vattenfall sind jeweils mit mindestens einer Zweitmarke auf dem Ökostrommarkt vertreten. Grund ist die Markenpositionierung. Das Unternehmen selbst produziert oder kauft Kohle- und Atomstrom, möchte aber die lukrativen Ökostromkunden nicht abschrecken. Über Tochterunternehmen oder Beteiligungen wird der eingekaufte oder zum Teil selbst produzierte Ökostrom unter neuem Namen verkauft. Die Verbindung zwischen den Konzernen und ihren Ökomarken wird selten offen kommuniziert. So ist für einen E-wie-einfach-Kunden nicht sofort erkennbar, dass er seinen Strom von E.ON kauft. Die EnBW geht mit NaturEnergiePlus auf Kundenfang und Vattenfall mit Enpure. Auch Kunden von innogy, eprimo, EnviaM oder Süwag suchen lange nach dem Verwandschaftsverhältnis zum Kohleverstomer RWE [Stichwort Hambacher Forst].

Konzerne und ihre Ökostrom-Marken

ZugehörigkeitÖkostromanbieter | ÖkostrommarkeZertifikat | LabelWer steckt dahinter?
KonzernInnogy SEkeine AngabenRWE und 16,7% E.ON
KonzernEnviaM AGkeine AngabenRWE
Konzerneprimo GmbHTÜV NordTochterunternehmen der innogy SE, RWE und E.ON
KonzernE wie einfach GmbHTÜVTochterunternehmen der E.ON Energie AG
KonzernYello Strom GmbHkeine AngabenTochter der EnBW Energie Baden-Württemberg AG
KonzernNatur Energie PlusGrüner StromTochter der EnBW Energie Baden-Württemberg AG
Konzernenpurekeine AngabenVattenfall SE

Die Stadtwerker mit Ökostrom-Töchtern

Die große Gruppe der kommunalen Versorger oder Stadtwerke sorgt für die Grundversorgung in Deutschland – mit regionalem Einzugsgebiet. Einige Stadtwerke haben sich zusammengeschlossen, um mit gemeinsamen Marken wie z. B. „SauberEnergie“ überregional in den Stromvertrieb zu gehen. Größere Stadtwerke vertreiben ihren Ökostrom bundesweit im Alleingang  über eigene Marken, wie zum Beispiel die Stadtwerke Duisburg mit dem Label „energieGUT“ oder „Rheinpower“.

Stadtwerke und ihre Ökostrom-Marken

ZugehörigkeitÖkostromanbieter | ÖkostrommarkeZertifikat | LabelWer steckt dahinter?
Stadtwerke123energieTÜV-RheinlandMarke der PFALZWERKE AKTIENGESELLSCHAFT
StadtwerkeBS ENERGY Braunschweiger Versorgungs-AG u. Co. KGGrüner Strom75%Veolia Stadtwerke Braunschweig-Beteiligungs AG, 25% Stadtwerke Braunschweig GmbH
StadtwerkeenergieGUT GmbHOK-Power100% Tochtergesellschaft der SW Duisburg
StadtwerkeRheinpowerTÜV Süd100% Tochtergesellschaft Stadtwerke Duisburg AG
StadtwerkeSauber Energie GmbH u. Co. KGTÜV NordZusammenschluss von 6 Stadt- und Gemeindewerken
StadtwerkeStadtwerke Flensburg GmbHOK-Power100 % der Stadt Flensburg.
StadtwerkeStadtwerke Münster GmbHGrüner Strom100 % im Besitz der Stadt Münster
StadtwerkesusiEnergie GmbHOK-PowerTechnische Werke Schussental GmbH u. Co. KG
StadtwerkeWEMAG AGGrüner Stromkommunales Netzwerk lokaler und regionaler Energieversorger, Über die Thüga AG an Kohle- und Kernkraftwerken beteiligt

Die Ökostrom-Marken der Discounter

Bei den Strom-Discountern handelt es sich meist um jüngere Unternehmen, die ihre Kunden bundesweit mit günstigen Ökotarifen und hohen Bonusversprechen für das erste Jahr locken. Der Strompreis liegt oft unter dem der etablierten Anbieter, was durch schlankere Verwaltungsstrukturen und deutlich weniger Service möglich wird. Bei einigen Billig-Ökostromanbietern sucht man vergeblich nach genauen Informationen über die Stromherkunft oder einem Zertifikat. Manche Discounter bieten ihren Strom unter verschiedenen Vertriebsnamen an, obwohl bei Preis und Servicepaket keine klare Differenzierung erkennbar wird. So verkauft die Firma ExtraEnergie ihren Ökostrom gleich unter 3 Markennamen: ExtraStrom, PrioStrom oder HitStrom. Die 365 AG ist gleich mit 2 Marken [IdealEnergie, Immergrün] im billigeren Öko-Segment zu finden.

Discounter und ihre Ökostrom-Marken

ZugehörigkeitÖkostromanbieter | ÖkostrommarkeZertifikat | LabelWer steckt dahinter?
DiscounterGrünwelt EnergieTÜV NordMarke der Stromio GmbH
DiscounterGrüner Funkekeine AngabenMarke der Fuxx-Die Sparenergie GmbH
DiscounterStromPluskeine AngabenMarke der Fuxx-Die Sparenergie GmbH
Discounteridealenergiekeine AngabenMarke der 365 AG
Discounterimmergrünkeine AngabenMarke der 365 AG
DiscounterGrünweltTÜV NordMarke der Stromio GmbH
DiscounterHitEnergieTÜV NordMarke der ExtraEnergie GmbH
DiscounterprioenergieTÜV NordMarke der ExtraEnergie GmbH

So werden Kohlestromproduzenten zu Ökostromanbietern

Etikettenschwindel Strommix

Stromanbieter müssen die Herkunft ihres Stroms ausweisen, doch diese Angaben sind oft inkorrekt. Grund ist das Energiewirtschaftsgesetz. Der Gesetzgeber verpflichtet Stromanbieter zur Stromkennzeichnung. Bis 2014 war es ebenfalls verpflichtend den bundesdeutschen EEG-Stromanteil in bestimmter Höhe im Strommix auszuweisen, weil das rein rechnerisch der Anteil Ökostrom aus den Erneuerbare-Energien-Anlagen war, der in das deutsche Stromnetz eingespeist wurde. Mit der Änderung das Energiewirtschaftsgesetzes 2014 [§ 78 Abs. 1] wurde aus der „Verpflichtung“  das „Recht zur Ausweisung des EEG-Ökostromanteils“ – und von dem wird kräftig Gebrauch gemacht.

Viele Unternehmen, die den Ökostrom weder für ihre Kunden erzeugen noch einkaufen, nehmen die Irreführung der Verbraucher billigend in Kauf. Einige Stromanbieter betreiben darüber hinaus Marketing und bewerben einen hohen Ökostromanteil in ihrem Strommix, der die Bereitstellung des Ökostroms gar nicht widerspiegelt. [siehe auch Faktencheck Strommix]

Im Jahr 2016 erzeugten die 5 Stromriesen mehr als 75 % des Stroms in Deutschland – vor allem in Kohle- und Atomkraftwerken. Das spiegelt das hohe Angebot an Ökostromtarifen, das über Tochterunternehmen und Beteiligungen verkauft wird nicht wider. [Bundesnetzagentur]

Eine Untersuchung des Hamburg Instituts von 35 großen deutschen Stromanbietern hat ergeben, dass einige Versorger sehr viel mehr Strom aus konventionellen Quellen [Kohle- und Atom] einkauften, als ihr Strommix widerspiegelt. Der EnBW-Konzern kaufte über 42 % mehr Strom aus Atom, Kohle & Co. für seine Kunden ein, als im Strommix angegeben. E.ONs Differenz lag bei 38 %, Vattenfall wies 37 % zu viel Ökostrom aus.

Greenwashing durch Zertifikate

In vielen Ökostrom-Tarifen ist in Wirklichkeit gar kein echter grüner Strom drin. Möglich macht das  der Handel mit Zertifikaten.

Über das sogenannte REC-System [Renewable Energy Certificate] können sich Produzenten von Ökostrom zertifizieren lassen und erhalten für jede Kilowattstunde des von ihnen produzierten Stroms ein RECS Zertifikat. Diese Anbieter sind meist Wasserkraftwerke in Norwegen und Österreich. Ökostromanlagen in Deutschland können diese Zertifikate nicht bekommen, wenn sie im EEG-Vergütungssystem gebunden sind. [Sonnst würden sie ihren Ökostrom ja doppelt verkaufen].

Der norwegischen Stromanbieter kann also seine Ökostrom-Zertifikate an einen deutschen Kohlestrom-Anbieter verkaufen und macht so den deutschen Kohleverstromer  zum 1A-Ökostromanbieter – auf dem Papier. Der frisch gebackenen Ökostromanbieter kann nun seinen umetikettierten Grünstrom verkaufen, obwohl er nur Strom aus Kohle ins deutsche Stromnetz einspeist. Das heimische Kohlekraftwerk bleibt also in Betrieb.

Herkunftsnachweise beim Ökostrom

Quellen: Webseiten der Ökostromanbieter, Marktanalyse Ökostrom II

Wir freuen uns über Ihren Kommentar zu „Ökostromanbieter – Wer gehört zu wem?“

Moll Otto G.
Zeigen Sie mir die Ökostromleitungen ich habe noch keine gesehen.
Linda Holm
Wir freuen uns immer über Unterstützung bei der Recherche. Bitte schicken Sie mir die Information doch zu. lmholm@str.... Dankeschön.
Manfred Gorgus
Mir fehlen auf der Liste innovative Anbieter die regionalen Vergrauch von regional erzeugtem Grünstrom durch intelligente Technik und moderner Datenverarbeitung ermöglichen. Damit werden die Netze entlastet und es wird mehr Ökostrom verbraucht. Kunden sehen mit diesen Tarifen, wann wie viel Ökostrom in ihrem Postleitzahlengebiet vorhanden ist und können selbst bestimmen, wann sie ihre Verbraucher wie Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler betreiben. Ein junger Stromtarif eines Heidelberger Startups ermöglicht darüber hinaus jedem Kunden noch Anteile an PV-Anlagen zu erhalten. Die senken sogar die Stromrechnung der Kunden. Irres Konzept, aber so können auch Mieter aktiven Klimaschutz betreiben und das doppelt, mit gezieltem Okostromvergrauch und je mehr regionalen Ökostrom sie verbrauchen, um so größer werden ihre eigenen PV-Anlagenanteile und um so kleiner ihr CO2 Fussabdruck.