2020-10-19

Preisgarantie Strom – Ein Schutz gegen steigende Strompreise?

Trotz niedriger Einkaufspreise an den Energiebörsen bleibt Strom in Deutschland teuer. Verbraucher zahlen weiter mehr als 31 Cent für die Kilowattstunde Strom – und eine richtige Entlastung ist nicht in Sicht.

Mit einer Preisgarantie soll sich der Stromkunde nun vor steigenden Rechnungen schützen. Das Angebot hört sich gut an und doch sind einige Versprechen nicht das, was sich der Kunde davon erhofft.

Das Kleingedruckte

Preisgarantie StrompreisDer Blick ins Kleingedruckte zeigt, dass die Preisgarantie ihre Tücken hat. In den Fußnoten findet man eine lange Liste von Fällen, für die diese sogenannte Garantie eben nicht gilt. Diese Sonderfälle betreffen keine Kleinigkeiten, denn ausgenommen sind häufig alle Steuern, Umlagen und Abgaben, ebenso die Netzentgelte. Was der Verbraucher meist nicht auf den ersten Blick sieht: Es handelt sich um einen Großteil des Preises. Nur noch knapp 20% des Strompreises hat der Energieversorger selbst in der Hand, denn das ist der Anteil den er für die Energiebeschaffung und Vermarktung bekommt. Die verbleibenden rund 80% teilen Netzbetreiber und Staat untereinander auf, wobei der Staat mit 53% für Steuern, Umlagen und Abgaben den größten Anteil erhält.

Erhöhen sich also diese Teile des Strompreises, können die Versorger diese Kosten an ihre Kunden weiterreichen – trotz der vollmundigen Festpreisversprechen. Diese „eingeschränkten Preisgarantien“ oder „Preisfixierungen“ sind inzwischen gängige Praxis.

Welche Preisgarantien gibt es beim Strom?

Eine Untersuchung der TOP20 Tarifergebnisse zeigt: Es findet sich kein einziges Angebot mehr ohne Garantieversprechen. Eine Übersicht:

Vollständige Preisgarantie

Bei den Top-20-Stromtarifen in den Ergebnislisten der Vergleichsrechner wurde nur von einem einzigen Anbieter die volle Preisgarantie angeboten. Er verspricht damit einen unveränderlichen Kostenanteil von 100%.

Nettopreisgarantie

3 der 20 untersuchten Stromanbieter garantierten eine Netto-Preisstabilität und meinen damit einen unveränderlichen Kostenanteil von 77%. Diese Preisgarantie schließt alle Preisbestandteile, wie die Energiekosten, die Netzentgelte, Umlagen und Abgaben ein. Änderungen der Mehrwertsteuer und Stromsteuer sind nicht inbegriffen.

Eingeschränkte Strompreisgarantie

Am häufigsten wurde die eingeschränkte Preisgarantie angeboten. Dieses Versprechen gaben drei Viertel der Anbieter [75%]. Diese eingeschränkte Preisgarantie [auch Preisfixierung] ist auf den Energiekostenanteil sowie die Netzentgelte begrenzt, schließt aber alle Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Damit gilt das Stabilitätsversprechen für weniger als die Hälfte des Strompreises [45%]. Bei Änderungen des Kostenblocks „Steuern & Abgaben“ können die Preise vom Versorger angepasst werden.

Energiepreisgarantie

Bei der Energiepreisgarantie wird nur der Energiekostenanteil des Gesamtpreises festgesetzt. Änderungen bei Netzentgelten oder im Bereich der Steuern und Abgaben können vom Anbieter direkt weitergegeben werden. Nur ein Anbieter im Test versprach die Stabilität der reinen Beschaffungskosten. Die Stabilitätszusage nur für 19% des Endkundenpreises.

 

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Ist eine Preisgarantie beim Stromanbieterwechsel ratsam?

Ja, auch wenn Sie als Kunde im Falle einer Preisgarantie von etwaigen Preissenkungen nicht profitiert. Die Großhandelspreise an den Strombörsen sinken zwar seit Jahren und liegen aktuell zwischen 3 und 3,5 Cent pro Kilowattstunde. Doch durch den kontinuierlichen Anstieg der Netzentgelte und Steuern spüren die Haushalte davon nichts. Ende Oktober werden die neuen Vergütungspreise für die EEG-Umlage festgelegt und bis dahin müssen auch die Netzbetreiber ihre Kostenkalkulation für das kommende Jahr bekanntgeben.

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, zum Preisvergleich von Stromtarifen immer mindestes 2 bis 3 Tarifrechner im Internet zu Rate zu ziehen und Verträge über höchstens ein Jahr Laufzeit abschließen. Hier vergleichen Sie die Stromtarife mit Preisgarantie von Check24 und Preisvergleich direkt miteinander.

Muss der Stromkunde bei Preiserhöhung zahlen?

Ja, wenn die Preisbestandteile erhöhen, die von der Garantieleistung ausgeschlossen sind. Das ist kein Grund zur Panik, denn Energiekunden haben bei jeder Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht von 14 Tagen. Das hat das OLG Düsseldorf am 5. Juli 2016 entschieden (Az. I-20 U 11/16).

Bester Stromanbieter 2020 im Preis & Service-Test


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