Preisgarantie Strom: Achtung, oft nur leere Versprechen

Mit einer Strompreisgarantie soll sich der Kunde vor steigenden Rechnungen schützen. Das Angebot hört sich gut an, doch einige Garantie-Versprechen sind nicht das, was sich der Kunde davon erhofft.

Was bedeutet eine Preisgarantie beim Strom?

Gibt ein Stromanbieter eine Preisgarantie beim Strom, verpflichtet er sich, bestimmte Preisbestandteile während der Vertragslaufzeit nicht zu ändern. Die Preisgarantie bezieht sich nicht immer auf den vollen Strompreis, weshalb die Bedingungen für die Kostengarantie und die Dauer der Preisfixierung genau gelesen werden sollten. Preisgarantien werden zwischen 12 und 24 Monaten angeboten. Wichtig beim Vertragsabschluss: Die Dauer der Preisgarantie sollte der Vertragslaufzeit entsprechen.

Das Kleingedruckte bei der Strompreisgarantie

Der Blick ins Kleingedruckte zeigt, dass die Preisgarantie beim Strom ihre Tücken hat. In den Fußnoten findet man eine lange Liste von Fällen, für die diese sogenannte Strompreisgarantie eben nicht gilt. Diese Sonderfälle betreffen keine Kleinigkeiten, denn ausgenommen sind häufig alle Steuern, Umlagen und Abgaben, ebenso die Netzentgelte. Was Verbraucher meist nicht auf den ersten Blick sehen: Es handelt sich beim Block „Steuern & Abgaben“ um einen Großteil des Preises [über 52%].
Nur noch knapp 24% des Strompreises hat der Energieversorger selbst in der Hand, denn das ist der Anteil, den er für die Energiebeschaffung und Vermarktung bekommt. Die verbleibenden rund 24% bekommt der Netzbetreiber.

Erhöhen sich also diese Bestandteile des Strompreises, können die Versorger diese Kosten an ihre Kunden weiterreichen – trotz der vollmundigen Festpreisversprechen. Diese „eingeschränkten Preisgarantien“ oder „Preisfixierungen“ sind inzwischen gängige Praxis.

Welche Preisgarantie gibt es beim Strom?

Eine Untersuchung der TOP20 Stromtarife im Stromrechner zeigt: Es findet sich kein einziges Angebot mehr ohne Garantieversprechen. Die Übersicht zeigt, welche Preisbestandteile in der Preisgarantie enthalten sind.

PreisbestandteilVolle PreisgarantieEingeschränkte PreisgarantieEnergiepreisgarantie
Energiepreis [24%]garantiertgarantiertgarantiert
Netzentgelte [24%]garantiertgarantiertNein
Steuern & Abgaben [52%]Teilweise garantiert, außer:NeinNein
davon Mehrwertsteuer [16%]Nein
davon Stromsteuer [6%]Nein
Preisgarantie Abdeckung78% vom Strompreis48% vom Strompreis24% vom Strompreis

Was beinhaltet die vollständige Preisgarantie beim Strom?

Die vollständige Preisgarantie beim Strom verspricht einen unveränderlichen Kostenanteil von circa 78%. Die volle Preisgarantie beinhaltet die Energiekosten, die Netzentgelte, ebenso wie die meisten Umlagen und Abgaben. Nur Änderungen der Mehrwertsteuer und der Stromssteuer dürfen direkt weitergegeben werden. Es ist also kein 100%-Schutz vor steigenden Preisen.

Was ist eine Nettopreisgarantie beim Strom?

Eine Netto-Preisstabilität garantiert einen unveränderlichen Kostenanteil von 78% und ist somit nur ein anderer Name für die „Volle Preisgarantie“. Diese Nettopreisgarantie schließt alle Preisbestandteile, wie die Energiekosten, die Netzentgelte, Umlagen und Abgaben ein. Änderungen der Mehrwertsteuer und Stromsteuer sind nicht inbegriffen.

Was ist eine eingeschränkte Preisgarantie?

Am häufigsten wird die eingeschränkte Preisgarantie – auch Preisfixierung genannt – angeboten. Diese Preisgarantie ist auf den Energiekostenanteil sowie die Netzentgelte begrenzt, schließt aber alle Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Damit gilt das Stabilitätsversprechen für weniger als die Hälfte des Strompreises [48%]. Bei Änderungen des Kostenblocks „Steuern & Abgaben“ können die Preise vom Versorger angepasst werden.

Was bedeutet Energiepreisgarantie?

Bei der Energiepreisgarantie wird nur noch der reine Stromkostenanteil des Gesamtpreises festgesetzt. Das ist der Teil des Strompreises, den der Stromanbieter beeinflussen- also die reinen Beschaffungskosten. Die Stabilitätszusage gilt also nur für 24% des Endkundenpreises und ist damit das am wenigsten umfassende Garantieversprechen.

Änderungen bei Netzentgelten oder im Bereich der „Steuern und Abgaben“ können vom Stromanbieter direkt weitergegeben werden.

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kWh

Anbieterwechsel: Ist eine Preisgarantie beim Strom ratsam?

Ja, auch wenn Sie als Kunde im Falle einer Preisgarantie von etwaigen Preissenkungen nicht profitieren. Aber das ist in den letzen Jahren auch nicht vorgekommen. Die Strompreise steigen unaufhörlich trotz Deckelung der EEG-Umlage oder Vereinheitlichung der Netzentgelte.

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, zum Preisvergleich von Stromtarifen immer mindestes 2 bis 3 Tarifrechner im Internet zu Rate zu ziehen und Verträge über höchstens ein Jahr Laufzeit abschließen. Hier vergleichen Sie die Stromtarife mit Preisgarantie in den 3 Stromrechnern von Check24, Preisvergleich und Verivox direkt miteinander.

Preisgarantien sind zeitlich begrenzt

Eine Preisgarantie gilt nur für den im Vertag festgelegten Zeitraum. Das können 3 Monate, 12 Monate bis hin zu 24 Monaten Preisgarantie sein. Nach Ablauf dieser Frist kann der Stromanbieter die Strompreise wieder anheben. Wir empfehlen die Länge der Preisgarantie mit der Vertragslaufzeit gleich zu setzen.

Vorteile und Nachteile einer Preisgarantie

Vorteil: Eine Preisgarantie schützt vor Preiserhöhungen, zumindest vor der Erhöhung eines Teils der Stromkosten. Das gibt eine gewisse Planungsicherheit für das Haushaltsbudget.

Nachteil: Stromtarife mit Preisgarantie sind oft viel teurer als Tarife ohne Preisgarantie, denn die zusätzliche Sicherheit lassen sich die Stromanbieter bezahlen. Bei einem Stromvertrag mit Preisgarantie profitiert man nicht, falls die Preisen mal sinken [was vermutlich sowieso nicht passiert].

Muss der Stromkunde bei Preiserhöhung zahlen trotz Preisgarantie?

Ja, wenn sich die Preisbestandteile erhöhen, die von der Garantieleistung der Preisgarantie ausgeschlossen sind. Das ist kein Grund zur Panik, denn Energiekunden haben bei jeder Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht von 14 Tagen. Das hat das OLG Düsseldorf am 5. Juli 2016 entschieden (Az. I-20 U 11/16).

Gilt das Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung mit Preisgarantie?

Ja. Hebt ein Stromanbieter seine Preise an, muss er seine Kunden schriftlich 6 Wochen vor Beginn der Preiserhöhung informieren. Haben Sie ein Preisgarantie, die diese Kosten beinhaltet, ist es ratsam, das im Dialog mit dem Anbieter zu klären [sammeln Sie Beweise – schriftlich!]

Falls sich die Preiserhöhung auf Bestandteile außerhalb der Garantieabdeckung bezieht, gilt das  Sonderkündigungsrecht. Auch wenn die Preiserhöhung mit Steuererhöhungen oder steigenden staatliche Abgaben begründet wird.