Strompreiszusammensetzung 2022 in Deutschland

Der Strompreis in Deutschland sank im Juli 2022 auf 32,7 Cent pro Kilowattstunde, nachdem er Ende April den Höchststand von 37,1 Cent erreicht hatte. Grund für die leichte Abnahme ist die Streichung der EEG-Umlage. Mit dieser Maßnahme sollen Haushalte und Betriebe entlastet werden, denn Strom war aufgrund des stark gestiegenen Energiekostenanteils bereits 16% teurer als im Vorjahr. Die ab Juli zu zahlenden 32,7 Cent beinhalten den Grund- & Arbeitspreis und bilden den bundesdeutschen Durchschnitt ab [private Haushalte, Bestandsverträge 1].

Der Strompreis setzt sich ab Mitte 2022 aus 3 Bestandteilen zusammen: Steuern, Netzentgelten und den Kosten für die Energieerzeugung.

Strompreiszusammensetzung 2022:

31,1 % staatlich veranlasste Steuern, Abgaben und Umlagen
24,7 % Nutzung der Stromnetze [Geld bekommt der Netzbetreiber]
44,2 % Stromerzeugung und Vertrieb [Geld geht an den Stromanbieter]

Die Mehrwertsteuer in Höhe von 19% wird auf alle Preisbestandteile gezahlt. In 2022 sind das 27,48 Cent + 19% MwSt = 32,7. Die Mehrwertsteuer beträgt 5,22 Cent.
Möchte man nun ermitteln, wie viel Prozent 5,22 von 32,7 sind, ergibt die Rechnung [5,22/32,7*100] = 16%.

Strompreis 2022: Bestandteile & Kosten im Detail

Steuern, Abgaben & Umlagen

Die staatlichen Belastungen liegen 2022 nach mehreren Senkungen mit 31,1% nicht mehr auf sehr hohem Niveau. Für Steuern, Abgaben und Umlagen fallen pro Kilowattstunde 10,17 Cent an. Der Kostenblock ist im Vergleich zum Vorjahr [2021: 16,39 Cent] um 6,2 Cent gesunken [- 38%] und liegt Mitte 2022 fast wieder auf dem Niveau von vor 12 Jahren [2010: 9,67 Cent]. Als der Strommarkt 1998 liberalisiert wurde, fielen für diesen Kostenblock nur 4,07 Cent an.

Den größten Anteil am Bereich „Steuern und Abgaben“ hat die Mehrwertsteuer, die mit 19 Prozent auf alle Preisbestandteile aufgeschlagen wird [= 5,22 Cent pro Kilowattstunde]. Ein Familienhaushalt zahlt bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden alleine für die Mehrwertsteuer 209 Euro pro Jahr an den Staat. Jahrelang hatte die EEG-Umlage den höchsten Anteil am Kostenblock. Sie wurde Anfang 2022 auf 3,72 Cent pro Kilowattstunde gesenkt [- 43%] und ab 1.Juli vollständig über den Bundeshaushalt finanziert. Mit diesem Schritt wurden Haushalte und Gewerbe um mehr als 6 Cent pro Kilowattstunde entlastet.

Netzentgelte 2022

Die Netzentgelte [NNE] sind Kosten, die vom Netzbetreiber für die Durchleitung des Stroms durch die Netze erhoben werden. Davon werden die Kosten für den Ausbau, den Betrieb und die Instandhaltung des Stromnetzes bezahlt. Diese Gebühren sind der drittgrößte Kostenblock des Strompreises. Sie sind 2022 im bundesdeutschen Durchschnitt um 4% gestiegen und haben aktuell einen Anteil von 24,7% am Strompreis [8,08 Cent]. Der Anstieg der Stromtransportkosten wird mit dem erforderlichen Netzausbau im Rahmen der Energiewende begründet [10 Jahres-Verlauf +22%].

Je nach Wohnort schwanken die Netznutzungsentgelte deutlich, weshalb die Strompreiszusammensetzung in Deutschland nicht in allen Gebieten einheitlich ist. Entwicklung der Netzentgelte

Stromerzeugung 2022

In Deutschland haben die Großhandelspreise an der Strombörse deutlich angezogen, weshalb die Kosten für Stromerzeugung [oder Stromeinkauf] und den Vertrieb der Energie um 88% gestiegen sind. Der Stromanbieter bekommt 2022 im Durchschnitt 14,46 Cent für die Kilowattstunde, was 44,2% des Strompreises ausmacht. Das ist auch der Anteil, den der Stromanbieter beeinflussen kann – bei Preiserhöhungen oder Senkungen. Im Kostenblock Stromerzeugung sind die Bereitstellungskosten für die Energie, der Vertrieb und der Gewinn des Lieferanten enthalten.
Artikel: Strompreisentwicklung 2022
Artikel: Warum sind die Strompreise so hoch?

Strompreiszusammensetzung: Steuern und Abgaben im Detail

Stromsteuer: Teil der Ökosteuer, wurde 1999 zur Förderung klimapolitischer Ziele eingeführt, fließt jetzt aber zu einem großen Teil in die Rentenversicherung.

Umsatzsteuer: Mehrwertsteuer in Höhe von 19% auf alle Preisbestandteile, macht rechnerisch etwa 16% des Brutto-Preises aus.

EEG-Umlage: Umlage zur Förderung der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Der Betreiber einer Ökostrom-Anlage, z.B. Wind oder Sonne, erhält für jede eingespeiste Kilowattstunde eine gesetzlich festgelegte Vergütung, die über dem Marktpreis liegt. Die EEG-Umlage errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Marktpreis und dem garantierten Vergütungspreis des Stroms.

KWK-Umlage: 2002 eingeführte Umlage zur Förderung der Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung.

§19 NEV- Umlage: 2012 eingeführte Umlage, um die ermäßigten Netzentgelte für Industrieunternehmen zu finanzieren.

Offshore-Haftungsumlage: 2013 eingeführte und auf 0,25 Cent gedeckelte Umlage zur Finanzierung von Schadensersatzforderungen, die durch Verzögerungen und Ausfälle bei der Netzanbindung von Offshore-Windparks entstehen könnten.

Konzessionsabgabe: von der Kommune erhobenes Wegerecht für den Bau und Betrieb von Leitungen.

Strompreiszusammensetzung 2. HJ 2022

PreisbestandteilPreis pro kWhProzent
Stromerzeugung14,46 ct44,2%
Netzentgelte8,08 ct24,7%
Steuern und Abgaben10,17 ct31,1%
im Detail
Stromsteuer2,05 ct6,3%
Mehrwertsteuer5,22 ct16%
Sonstige Abgaben: KWK, § 19, AbLa -,2,89 ct8,9%

Strompreiszusammensetzung 1. HJ 2022

PreisbestandteilPreis pro kWhProzent
Stromerzeugung14,46 ct38,9%
Netzentgelte8,08 ct21,8%
Steuern und Abgaben14,6 ct39,3%
im Detail
EEG-Umlage3,72 ct10%
Stromsteuer2,05 ct5,5%
Mehrwertsteuer5,93 ct16%
Sonstige Abgaben: KWK, § 19, AbLa -,2,89 ct7,8%

 

Fragen zur Strompreiszusammensetzung

Wie viel Mehrwertsteuer wird für Strom gezahlt?

Beim Strom wird eine Mehrwertsteuer von 19 % auf alle Preisbestandteile erhoben. D.h.auch auf die Stromsteuer oder EEG-Umlage werden zusätzlich die Mehrwertsteuer gezahlt.

Wie hoch ist die Stromsteuer?

Die Stromsteuer beträgt 2,05 Cent je Kilowattstunde.

Was kostet 1 kWh Strom?

1 kWh Strom kostete im April 2022 in Deutschland 37,1 Cent. Dieser Preis spiegelt den bundesdeutschen Durchschnitt für die Kilowattstunde Strom wieder, denn der Strompreis ist abhängig vom Wohnort. Grund dafür sind unterschiedlich hohe Stromtransportkosten.

Die Strompreiszusammensetzung ist abhängig vom Wohnort

Die hier gezeigten Werten bilden den bundesdeutschen Durchschnitt ab. Je nach Wohnort schwanken die Strompreiskomponenten – besonders deutlich die Netzentgelte. Die individuelle Zusammensetzung des Strompreises kann daher von Ort zu Ort unterschiedlich sein.

Strompreiszusammensetzung VS. Zusammensetzung Stromtarife

Die Strompreiszusammensetzung unterscheidet sich von der Zusammensetzung der Stromtarife. Stromtarife bestehen in der Regel aus einer monatlichen Grundgebühr für den Stromanschluss [Grundpreis] und einem Arbeitspreis für die tatsächlich verbrauchte Energie in Kilowattstunden. Der Arbeitspreis im Stromtarif entspricht nicht dem hier beschriebenen Strompreis.

Strompreiszusammensetzung 2021

Im bundesdeutschen Durchschnitt lag der Strompreis Anfang 2021 bei 31,89 Cent pro Kilowattstunde.

Steuern, Abgaben und Umlagen

Die staatlichen Belastungen liegen auch 2021 mit 51,4% auf sehr hohem Niveau. Sie sind im Vergleich zum Vorjahr anteilig um 1% gesunken sind und betragen nun 16,39 ct/kWh. Der Kostenblock ist in den letzten 10 Jahren von 11,59 Cent auf 16,39 Cent gestiegen [10 Jahres-Verlauf +41%].

Der größte Teil im Bereich „Steuern und Abgaben“ ist mit 20,4% die EEG-Umlage. Sie hat sich im 10 Jahres-Verlauf fast verdoppelt. Die EEG-Umlage wurde für 2021 auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt.

Netzentgelte

Die Netzentgelte sind der zweitgrößten Kostenblock des Strompreises. Sie sind 2021 im bundesdeutschen Durchschnitt um 1,4% gesunken und haben einen Anteil von 24,1% am Strompreis [7,8 Cent].

Stromerzeugung

Der Stromanbieter bekommt 2021 nur noch knapp ein Viertel für die Stromerzeugung oder den Stromeinkauf und dessen Vertrieb. Diese 24,1% sind der Teil des Strompreises, den der Stromanbieter noch beeinflussen kann. Das sind 2021 im Durchschnitt 7,7 Cent pro Kilowattstunde und damit 9% mehr als im Vorjahr [7,06].

Strompreiszusammensetzung 2021

Preisbestandteil
Preis in Cent
Prozent
Stromerzeugung7,7 ct24,1%
Netzentgelte7,8 ct24,4%
Steuern und Abgaben16,39 ct51,4%
im Detail
EEG-Umlage6,5 ct20,4%
Konzessionsabgabe1,66 ct5,2%
Stromsteuer2,05 ct6,4%
Mehrwertsteuer5,09 ct16%
Umlagen: KWK, § 19, AbLa -,1,09 ct3,4%

Strompreiszusammensetzung 2018

Durchschnittlicher Strompreis für private Haushaltskunden in Deutschland

Zusammensetzung Strompreis, Deutschland, 2018
2018, Chart, Strompreis im Detail 2018

Der Strompreis für private Verbraucher lag Anfang 2018 bei durchschnittlich 29,42 Cent pro Kilowattstunde und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 0,9% gestiegen.

Dieser Verbraucher-Strompreis setzt sich aus 3 Haupt-Bestandteilen zusammen:

54,3% für staatlich veranlasste Steuern, Abgaben und Umlagen.
 24,7% für die Nutzung der Stromnetze, die der Netzbetreiber bekommt.
21% für Stromerzeugung und Vertrieb, die der Stromanbieter erhält.

Die staatlichen Belastungen beim Strompreis liegen 2018 ganz leicht unter dem Niveau des Vorjahres [-0,7% zu 2017]. Steuern, Abgaben und Umlagen sind in den letzten 10 Jahren von 8,96 Cent auf 15,97 Cent gestiegen und haben damit 78% zugelegt. [seit 2000 + 207%]

Der größte Teil im Bereich "Steuern und Abgaben" ist mit 23,1% die EEG-Umlage. Sie ist in diesem Jahr um 1,3% gesunken und beträgt seit 1. Januar 6,79 Cent pro Kilowattstunde. [10 Jahres-Verlauf +418%]

Den zweitgrößten Kostenblock beim Strompreis verursachen die Netzentgelte. Sie erreichen aktuell einen Anteil von 24,7%. Die Steigerung von 27%  in den vergangenen 10 Jahren wird mit dem erforderlichen Netzausbau im Rahmen der Energiewende begründet. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Netznutzungsentgelte 2018 im Bundesdurchschnitt um 3,2% gesunken, wobei die Zahlen in den einzelnen Versorgungsgebieten stark schwanken.

Der Anteil, den der Stromanbieter für die Stromerzeugung erhält, ist in diesem Jahr um 8,2% gewachsen. Die Kosten für Beschaffung und Vertrieb steigen aufgrund anziehender Großhandelspreise erstmals seit 2012 wieder. [10 Jahres-Verlauf -27%]

Zusammensetzung Strompreis 2017

Durchschnittlicher Strompreis für Haushaltskunden in Deutschland

Zusammensetzung Strompreis, Deutschland, 2017
Bestandteile, Kosten pro kWh, Strompreis, Strompreisanalyse 2017

Der Strompreis für private Verbraucher lag Anfang 2017 bei durchschnittlich 29,16 Cent pro Kilowattstunde und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 1,3% gestiegen.

Dieser Verbraucher-Strompreis setzt sich aus 3 Haupt-Bestandteilen zusammen:

55% für staatlich veranlasste Steuern, Abgaben und Umlagen.
 26% für die Nutzung der Stromnetze, die der Netzbetreiber bekommt.
19% für Stromerzeugung und Vertrieb, die der Stromanbieter erhält.

Die staatlichen Belastungen haben 2017 mit einem Anstieg auf 55% ein neues Rekordhoch erreicht [+1,9% zu 2016]. Sie sind in den letzten 10 Jahren von 7,4 Cent auf 16,1 Cent gestiegen und haben sich damit mehr als verdoppelt. [10 Jahres-Verlauf +118% | seit Liberalisierung des Strommarktes 1998 + 294%]

Der größte Teil im Bereich "Steuern und Abgaben" ist mit 23,6% die EEG-Umlage[10 Jahres-Verlauf +493%]

Den zweitgrößten Kostenblock in diesem Jahr verursachen die Netzentgelte. Sie erreichen aktuell einen Anteil von 25,6%. Die Steigerung um 6,7% wird mit dem erforderlichen Netzausbau im Rahmen der Energiewende begründet. [10 Jahres-Verlauf +27%]

Der Anteil, den der Stromanbieter für die Stromerzeugung erhält, ist in diesem Jahr auf 19,3% gesunken. Die Kosten haben sich aufgrund niedrigerer Preise an den Strombörsen um mehr als 10% zum Vorjahreswert verringert. [10 Jahres-Verlauf -22%]

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. [BDEW], Berechnungsgrundlage: Haushalt mit3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch

Die Zusammensetzung des Strompreises 2016

Durchschnittlicher Strompreis für Haushaltskunden in Deutschland

Strompreis 2016, Zusammensetzung Strompreis
2016, Strompreis, Zusammensetzung

Der Strompreis für private Verbraucher lag Anfang 2016 bei durchschnittlich 28,69 Cent pro Kilowattstunde und ist damit im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Das hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. [BDEW] für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden ermittelt.

Dieser Verbraucher-Strompreis setzt sich aus 3 Haupt-Bestandteilen zusammen:

21,3% für Stromerzeugung und Vertrieb
54,1% Steuern, Abgaben, Umlagen
24,6% Netznutzungsentgelte

Die staatlichen Belastungen haben 2016 mit einem Anstieg auf 54,1% ein neues Rekordhoch erreicht [+2% zu 2015].Der größte Kostenblock ist mit 22,1% die EEG-Umlage. Steuern, Abgaben und Umlagen sind in den letzten 10 Jahren von 7,7 Cent auf 15,5 Cent gestiegen und haben sich damit mehr als verdoppelt.

Der Anteil, den der Stromanbieter für die Stromerzeugung erhält, ist in diesem Jahr auf 21,3% gesunken. Die Kosten haben sich aufgrund niedrigerer Preise an den Strombörsen um mehr als 3% zum Vorjahreswert verringert.

Die Netzentgelte erreichen aktuell einen Anteil von knapp 24,6%. Die Steigerung um mehr als 1% ist auf den im Rahmen der Energiewende erforderlichen Netzausbau zurückzuführen.

 

Strompreiszusammensetzung in Deutschland 2015

Durchschnittlicher Strompreis für Haushaltskunden in Deutschland, Anteil der EEG-Umlage

Anteil der EEG-Umlage am Strompreis beträgt 21,4% im Jahr 2015
2015, EEG, EEG Umlage, Strompreis, Zusammensetzung

Der Strompreis für private Verbraucher betrug zu Beginn des Jahres 2015 durchschnittlich 28,81 Cent pro Kilowattstunde. Das hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) im März ermittelt. Dieser Verbraucher-Strompreis setzt sich aus 3 Hauptbestandteilen zusammen:

25% für Stromerzeugung und Vertrieb, die der Stromanbieter erhält.
52% für staatlich veranlasste Steuern, Abgaben und Umlagen.
 23% für die Nutzung der Stromnetze und den Abrechnungs-Service, die der Netzbetreiber bekommt.

Die EEG-Umlage hat einen Anteil am Strompreis von 21,4%. Da auf Abgaben ebenfalls Umsatzsteuer gezahlt wird, erhöht sich der Gesamtkostenanteil auf 25,5% des Haushaltsstrompreises.

Quellenangaben

[1] Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. [BDEW] 01 2022, Bundesnetzagentur, Verivox Verbaucherindex